In seinem jährlich erscheinenden Report „Global State of Mobile“ malt der US-Marktforscher Comscore ein klares Bild: Das Handy ist mit großem Abstand der wichtigste digitale Medienkanal und Apps gewinnen enorm an Bedeutung, während alle anderen digitalen Kanäle sogar verlieren. Wer seine Zielgruppen erreichen will, kommt an Apps nicht vorbei.

Die Untersuchung lief weltweit in acht Märkten und mit dem Fazit lehnen sich die Amerikaner weit raus, denn Apps scheinen nicht immer die erste Wahl im Marketing-Mix zu sein.

Apps haben allerdings eindeutige Vorteile gegenüber dem Web:

  • Apps werden öfter genutzt als Web im mobilen Safari oder Chrome. Hand aufs Herz: Wie oft wird schon im mobilen Web im Browser gesucht oder die URL eines Anbieters eingetippt? Vor allem: Mehr als einmal?
  • Die Sichtbarkeit am Homescreen sorgt für häufig wiederkehrende Markenkontakte.
  • Der Funktionsumfang nativer App ist nicht nur dank hardwarenaher Möglichkeiten wie Kamera, GPS, Offline-Speicher etc. wesentlich größer als es im Web.
  • Push und iBeacons bringen – richtig und dosiert eingesetzt – hohe Konversionsraten
  • Die Usability nativer Apps am Smartphone ist nach wie vor ungeschlagen.
  • Anders als im Web kann verhindert werden, dass Inhalte weder kopiert noch geteilt werden können.

Apps stehen nicht ohne Grund auf der Wunschliste vieler Marketeers – allerdings meist nur so lange bis über Aufwand, Preis und Return on Investment (ROI) gesprochen wird. Doch gerade xamoom beweist, dass Apps gar nicht teuer sein müssen (699 Euro im Monat).

Bleibt noch die Hürde der Installation aus dem App Stores, die der Endanwender unternehmen muss. Was es dafür braucht, ist ein Wert für den Anwender, der größer ist als die mobile Version der Unternehmenswebsite. Dieser Wert muss dann noch entsprechend kommuniziert werden. Wenn der gebotene Mehrwert stimmt und dieser auch noch gut kommuniziert ist, steht der Nutzung nichts im Wege.

Aber kommen wir zu den nackten Zahlen von Comscore.

Über drei Viertel des gesamten Medienkonsums – gerechnet in Minuten – passiert am Smartphone. In Indien oder Indonesien, wo es traditionell weniger Computer und mehr Smartphones gibt, sind es sogar über 90 Prozent.

Dem gegenüber stehen Desktops und Tablets, auf die gerade einmal neun (Asien) bis 28 (Kanada) Prozent der digitale Minuten entfallen.

Wenn Medien auf Smartphones genutzt werden, dann hauptsächlich in mobilen Applikationen. Das Mobile Web kommt auf nicht einmal auf vier (Indonesien) bis 14 (UK) Prozent der Medienminuten.

Während in der westlichen Welt das (responsive) Web noch eine Chance hat, wird es in Asien oder Lateinamerika nur (mehr) in Ausnahmefällen herangezogen.

Einige Kategorien tendieren sogar dazu, „App only“ zu werden. Bei sozialen Netzwerken und Messengern wundert man sich selbst noch, dass der Browser eine Rolle spielt. Aber selbst in der Kategorie „Travel & Food“ gibt es laut Comscore einen App-Anteil von über drei Viertel.

Wer in diesen Bereichen keine App hat, den gibt es für immer mehr Nutzer gar nicht.

Insgesamt steigt der digitale Medienkonsum Jahr für Jahr. Wo dieser jedoch stattfindet, dabei gibt es Verschiebungen. Der einzige Wachstumsbereich dabei sind Smartphone Apps, sowohl Desktop als auch Tablets verlieren hier an Marktanteilen.

Diese Trends lassen sich übrigens auch in allen Altersschichten – von jung bis alt – beobachten. Bei den Älteren sind die mobilen Minuten allerdings etwas weniger, dafür ist der Desktop-Anteil etwas größer – allerdings zeigt der Trend auch in dieser Gruppe in die globale Richtung.

Abschließend stellt sich noch die Frage, ob man am Smartphone auch Geld verdienen kann. Die Antwort der Zahlen: absolut!

Beispiel Retail: 10,7 Prozent vom US-Einzelhandelsvolumen findet digital statt – etwas weniger als ein Drittel davon am Smartphone und hier sind vor allem Apps verantwortlich. Amazon ist mit seiner Shopping-App die unangefochtene Nummer eins in sechs der acht analysierten Märkte.

Österreich und Deutschland wurden zwar nicht untersucht, dürften dabei aber nicht aus der Reihe tanzen. Hierzulande beträgt der Anteil des Versandhandels am Gesamtvolumen – wie in den USA – etwa elf Prozent.

Fazit: Apps sind hart, aber ein Muss

Smartphone Apps sind für viele Neuland und die eigene Erfahrung sagt: „Meine App würde eh niemand installieren!“
Aber so viel Pessimismus ist falsch und es braucht ein wenig Mut.

Vor dem Start muss auf alle Fälle klar sein, welchen Mehrwert ein Unternehmen seinen Kunden und Nutzern in einer App bringen kann. Der Mehrwert muss idealerweise so hoch sein, dass ein Kunde gar nicht anders kann, als die App zu installieren. Und selbst in so einem Fall muss die App noch entsprechend beworben werden.

Nur Mut! Der Mehrwert, den Unternehmen aus Apps ziehen können, ist enorm:

  • Der neue Kanal hin zu Verbrauchern wird in Zukunft immer wichtiger wird. Es ist absehbar, dass soziale Medien immer weniger bis gar keinen organischen Traffic von Firmenseiten bringen. Wer bei Facebook, Instagram & Co. noch erscheinen will, muss bald bezahlen.
  • Über Push erreicht man zum richtigen Moment die richtigen Nutzer mit der richtigen Botschaft – beispielsweise geo-segmentiert. So entstehen neue Möglichkeiten der Angebotssteuerung oder Besucherlenkung, die ebenfalls Goldes Wert sein können.
  • Apps bieten auch die Möglichkeit, Umsatz zu generieren: von Abo-Diensten über den Verkauf von Tickets bis hin zum Shop für Produkt-Add-Ons oder Verbrauchsmaterialien.

Dies sind nur einige Vorteile und Nutzen, die Unternehmen aus Apps ziehen können. Die Comscore-Studie zeigt vor allem eines ganz klar: Wer den Kanal Smartphone ignoriert, verschwindet komplett von der Bildfläche – nicht nur sprichwörtlich.

Sie können sich die Grafiken auch als PDF herunterladen.