Mit Anwendungen wie dem Bezahlen durch Berühren mit der Bankomatkarte oder durch einfachen Info-Abruf in immer mehr Museen, Tourismusregionen oder an Produkten gewinnt NFC deutlich an Fahrt.

Was der praktischen Funktechnik „Made in Austria“ (sie wurde bei NXP in Gratkorn erfunden) noch zu mehr Coolness gefehlt hat, war der Segen Apples. Der kam anfangs nur zögerlich, ist jetzt aber voll und ganz da. Im letzten Oktober lernten die neuesten iPhones (Xs, Xs max und Xr), erstmals auch ohne App, Infos von NFC-Tags abzurufen. Seitdem spüren wir über alle Kunden hinweg einen spürbaren Anstieg der NFC-Nutzung. Und es wird stetig mehr.

Was bisher nicht ging

Die ersten Ansätze von NFC-Support im iPhone gab es mit dem iPhone 6 im Jahr 2015. Anlässlich der WWDC 2017 stellte Apple unter dem Namen CoreNFC Schnittstellen für Entwickler zur Verfügung. Diese konnten ab dem iPhone 7 und iOS 10 NDEF-Records (das weit verbreitete „NFC Data Exchange Format“) lesen, allerdings erst wieder nur in Apps.

Bei Android war es seit jeher auch ohne Apps möglich, dass sich URLs aus NFC-Tags direkt im Browser öffnen würden. Zudem war dies auf NDEF-Records beschränkt – andere Tags (wie etwa Mifare-Chips oder Sicherheits- und Zutrittssysteme blieben außen vor).

Alle NFC-Limits fallen

Anfang Juni auf der WWDC 2019 öffnete Apple NFC am iPhone weiter. Mit iOS 13 (Entwickler-Betas bereits verfügbar, öffentliche Betas ab Juli, finale Version ab September) kommt eine ganze Reihe an Erweiterungen, welche die Nutzung deutlich vorantreiben werden.

Alle iPhones auf der Bühne

 

iPhones können ab iOS 13 NFC-Chips nicht nur lesen sondern auch schreiben (inkl. Schreibschutz). Somit stünde einer xamoom Service App für iPhones nichts im Wege. Aktuell ist sie aus der bisherigen Limitierung nur für Android verfügbar.

iPhones können bald mit allen NFC-Chips umgehen (ISO 14443, FeliCa, ISO 15693, ISO 7816 und Mifare) sowie mit praktisch allen Protokollen und Chip-Funktionen umgehen. Im Vergleich zu Android ist der Zugang zur Host Card Emulation (HCE) noch nicht frei verfügbar. Diese ist derzeit Apple Pay, ticketmaster.com, den japanischen Eisenbahnen und anderen privilegierten Partnern von Apple vorbehalten. Künftig werden neue Anwendungen im Bereich Ticketing (z.B. Zeitkarten im ÖPNV) oder Sicherheit möglich. iPhones könnten somit schon bald auch Zimmertüren in Hotels öffnen.

Interessant ist eine weitere Technik, mit der Apple zu Android aufschließt. Auf der WWDC wurde gezeigt, wie durch Berührung Musik und Filme geteilt werden können. Google wird seine Technik namens Android Beam mit der nächsten Android-Version Q einstellen. Bei Apple ist sie nun wieder da. Die Welt ist manchmal echt verrückt.

Apple Pay kann nun auch mit einem NFC-Tag genutzt werden, um ohne App zu bezahlen. Dieses Feature wurde bereits Anfang Mai vorgestellt und wird vorerst mit exklusiven Partnern (z.B. E-Scooter-Verleihern) ausgerollt. Spezielle NFC-Tags können beim Bezahlen (kleiner) Beträge hilfreich sein – etwas, das viele KMUs freuen und neue Geschäftsmodelle ermöglichen wird. Man denke etwa nur an das Automaten-Business oder an den Verkauf von Audioguides im Web.

Seit einem Jahr gibt es eine App namens Kurzbefehle. Apple hat sie bislang separat zum Download aus dem App-Store angeboten. Mit iOS 13 wird sie automatisch auf allen Handys vorinstalliert. Kurzbefehle beherrscht auch NFC-Tags. So könnte man künftig Heimautomatisierung (Licht ein, Garagentor hoch etc.) per NFC-Tag auslösen – etwas, das bislang auch schon unter Android ging, aber kaum wer nutzte.

Schlussendlich soll mit NFC auch das Bluetooth-Pairing einfacher werden. Android-Nutzer wissen das jetzt schon zu schätzen: Tab – Verbindung wird hergestellt – alles funktioniert prächtig.